How to Oper

Die Premiere

Jessica Maier Donnerstag, 18. März 2021 von Jessica Maier

Zeit für die Premiere - was ist jetzt noch zu tun?

Die Bühne frei für den letzten Schritt auf unserem Weg von der Idee zur Premiere! Und ich meine wortwörtlich “Bühne frei”, denn da an der Premiere endlich Publikum erscheint, muss alles tip top aussehen und reibungslos ablaufen.

Die Vorbereitungen für die Premiere beginnen für die Mitarbeiter*innen des Opernlofts schon früh am Tag. Das ganze Theater wird nochmal durchgegangen und dekoriert. Manchmal müssen neue Mitarbeiter*innen in den Abenddienst eingewiesen werden, aber oft reicht auch nur ein kurzer Pep Talk der Service-Leiter*innen. Die Bühne wird eingerichtet und alle Requisiten und die Technik nochmal gecheckt. Alle Requisiten müssen am richtigen Platz liegen, denn später gibt es keine Chance noch etwas zu retten - während der Vorstellung sind die Sänger*innen weitestgehend auf sich gestellt!

Zur Feier des Tages und als kleine Extra-Motivation schenken sich übrigens alle gegenseitig Premierengeschenke. Erinnern Sie sich noch, was ich im letzten Beitrag zum Aberglaube am Theater geschrieben habe? An der Premiere spucken sich alle “Toi” dreimal über die linke Schulter - oder sagen heutzutage einfach nur noch “Toi Toi Toi”. Das macht man so, um den Teufel “Teu, Teu, Teu” milde zu stimmen und damit Unglück von sich fern zu halten.

Da unsere Zuschauer*innen in der Regel 90 Minuten früher da sind, müssen wir bereits zwei Stunden vor Beginn mit allem fertig sein. Die Sänger*innen gehen in die Maske, singen sich ein und schlüpfen in ihre Kostüme. Danach bleiben sie in der Garderobe erstmal versteckt vor den Augen der Zuschauer*innen - Niemand möchte Ihnen die Überraschung verderben!

Dann beginnt endlich die erste Aufführung vor vollem Saal! Die Premiere bringt immer noch ihre eigene Anspannung mit sich. Immerhin haben wir darauf die letzten paar Wochen hingearbeitet. Es sind plötzlich so viele Menschen im Theater, die selbst auch schon aufgeregt sind. Während der Vorstellung wird viel mehr reagiert und applaudiert. Sie lachen und singen und halten den Atem an. Und wenn am Ende das Licht ausgeht, ist der Applaus immer am schönsten. Sämtliche Angst vor möglichen Fehlern ist verflogen und es bleibt nur noch ganz, ganz großer Stolz. Vor allem wenn das gesamte Team dann zur Verbeugung nach vorne kommt. Nur an der Premiere bekommen Sie einmal das ganze Team, das sonst nur im Hintergrund arbeitet, gemeinsam zu Gesicht. Ein toller Moment!

Ein paar Dinge, die Sie nun eventuell neu wissen: Eine Konzeptionsgespräch mit dem ganzen Team hilft mögliche Schwierigkeiten zu erkennen, aber auch die Unterstützung aller während der Produktion hinter sich zu wissen. In den Proben wird viel unter Anleitung der Regie experimentiert und ausprobiert. Dabei müssen sich alle bewusst sein, dass sich um sie herum das Bühnenbild, Kostüm, Maske und Requisiten noch entwickeln. Wenn die Ausstattungsarbeit sich langsam dem Ende neigt, muss das Technik-Team sich um die TE kümmern. Bereits eine Woche vor der Premiere wird mehrmals der “Ernstfall” in den Haupt-und Generalproben geprobt.

Aber abgesehen von möglichem Fachwissen aus meinen eigenen Erfahrungen, wollte ich Ihnen noch ganz andere Dinge mit auf Ihren Weg geben: Alles, was Sie nun aus den vorangegangenen Blog-Beiträgen gelernt haben, mussten die Mitarbeiter*innen und Künstler*innen erst hartnäckig erarbeiten. Jeder Job am Theater setzt eine gewisse kreative Eigenständigkeit voraus, selbst wenn z.B. Veranstaltungstechniker*in im ersten Moment nicht so klingt. Theaterarbeit dreht sich immer um die Zuschauer*innen. Auch wenn Sie nicht von Beginn an dabei sind, haben Sie alle Mitarbeiter*innen jederzeit im Gedächtnis. Und das ehrliche Interesse an Kunst und Musik, also daran, was auf der Bühne geschieht, ist essentiell, um in allen Kultur-Berufen erfolgreich zu sein.

Im Opernloft wird Kultur weiter erhalten und den Mitmenschen ein unvergesslicher Abend bereitet - mit dem man noch Wochen später angeben kann. Aber warum brauchen wir “junges Musiktheater” und warum ist Kultur eigentlich “systemrelevant”? Wer sich mit Texten, Charakteren und neuen Situationen auseinandersetzt, stärkt den eigenen Umgang mit Konflikten. Zuschauer*innen lernen im Theater unterbewusst immer was dazu. Sei es mal in sich zu gehen und sich nach einer Inszenierung selbst zu hinterfragen. Oder mit neuem Schwung und einer neuen Einstellung den Saal zu verlassen. Das Theater kann durchaus eine Begleitung in der eigenen Entwicklung sein. Die Nähe zu den Darsteller*innen ersetzt kein Film der Welt. Und vor allem junge Menschen, die Künstler*innen live auf der Bühne sehen, schneiden sich gerne mal ein Stück von deren Selbstbewusstsein ab. Lassen Sie sich im Theater inspirieren und ihrer Kreativität freien Lauf. Der erste Theaterbesuch für jeden Menschen bleibt unvergesslich. Sollten Sie noch nie in einer Oper gewesen sein, kommen Sie zur nächsten Spielzeit ins Opernloft. Es lohnt sich!

Abschließend ein paar Worte dazu, wie dieser Blog überhaupt entstanden ist: Als FSJ-lerin muss ich ein Projekt planen und verwirklichen. In meinem Fall wollte ich unbedingt etwas schreiben und gestalten. Nach meiner Zeit als Regie-Assistentin kam ich dann auf die Idee eine Produktion Schritt für Schritt in einem Blog festzuhalten. Ich hatte die Freiheit all meine Erfahrungen in meinem Stil aufzuschreiben, Illustrationen anzufertigen und zu veröffentlichen! In einem FSJ geht es darum sich auszuprobieren und Erfahrungen zu sammeln. Die Erfahrung meine eigenen Arbeiten zu veröffentlichen und der Stolz, das Projekt zu beenden, werden mich noch ein gutes Stück begleiten. Quasi als Äquivalent zu “Guck mal, Mama, ich bin im Fernsehen!” In dem Sinne danke ich auch allen Mitarbeiter*innen, die mir am Opernloft mit meinen 18 Jahren die Möglichkeit geben den professionellen Theaterbetrieb mitzuerleben und so sehr darin verstrickt zu sein. Ich wurde noch nie so bekräftigt meinen Weg zu gehen wie hier.

Vielen Dank fürs Lesen!
Ich hoffe, ich konnte Sie bis zum Schluss mit meiner Arbeit unterhalten. Vielleicht haben Sie sogar etwas neues dazu gelernt?

Jessica Maier

Aber abgesehen von möglichem Fachwissen aus meinen eigenen Erfahrungen, wollte ich Ihnen noch ganz andere Dinge mit auf Ihren Weg geben: Alles, was Sie nun aus den vorangegangenen Blog-Beiträgen gelernt haben, mussten die Mitarbeiter*innen und Künstler*innen erst hartnäckig erarbeiten. Jeder Job am Theater setzt eine gewisse kreative Eigenständigkeit voraus, selbst wenn z.B. Veranstaltungstechniker*in im ersten Moment nicht so klingt. Theaterarbeit dreht sich immer um die Zuschauer*innen. Auch wenn Sie nicht von Beginn an dabei sind, haben Sie alle Mitarbeiter*innen jederzeit im Gedächtnis. Und das ehrliche Interesse an Kunst und Musik, also daran, was auf der Bühne geschieht, ist essentiell, um in allen Kultur-Berufen erfolgreich zu sein.

Im Opernloft wird Kultur weiter erhalten und den Mitmenschen ein unvergesslicher Abend bereitet - mit dem man noch Wochen später angeben kann. Aber warum brauchen wir “junges Musiktheater” und warum ist Kultur eigentlich “systemrelevant”? Wer sich mit Texten, Charakteren und neuen Situationen auseinandersetzt, stärkt den eigenen Umgang mit Konflikten. Zuschauer*innen lernen im Theater unterbewusst immer was dazu. Sei es mal in sich zu gehen und sich nach einer Inszenierung selbst zu hinterfragen. Oder mit neuem Schwung und einer neuen Einstellung den Saal zu verlassen. Das Theater kann durchaus eine Begleitung in der eigenen Entwicklung sein. Die Nähe zu den Darsteller*innen ersetzt kein Film der Welt. Und vor allem junge Menschen, die Künstler*innen live auf der Bühne sehen, schneiden sich gerne mal ein Stück von deren Selbstbewusstsein ab. Lassen Sie sich im Theater inspirieren und ihrer Kreativität freien Lauf. Der erste Theaterbesuch für jeden Menschen bleibt unvergesslich. Sollten Sie noch nie in einer Oper gewesen sein, kommen Sie zur nächsten Spielzeit ins Opernloft. Es lohnt sich!

Abschließend ein paar Worte dazu, wie dieser Blog überhaupt entstanden ist: Als FSJ-lerin muss ich ein Projekt planen und verwirklichen. In meinem Fall wollte ich unbedingt etwas schreiben und gestalten. Nach meiner Zeit als Regie-Assistentin kam ich dann auf die Idee eine Produktion Schritt für Schritt in einem Blog festzuhalten. Ich hatte die Freiheit all meine Erfahrungen in meinem Stil aufzuschreiben, Illustrationen anzufertigen und zu veröffentlichen! In einem FSJ geht es darum sich auszuprobieren und Erfahrungen zu sammeln. Die Erfahrung meine eigenen Arbeiten zu veröffentlichen und der Stolz, das Projekt zu beenden, werden mich noch ein gutes Stück begleiten. Quasi als Äquivalent zu “Guck mal, Mama, ich bin im Fernsehen!” In dem Sinne danke ich auch allen Mitarbeiter*innen, die mir am Opernloft mit meinen 18 Jahren die Möglichkeit geben den professionellen Theaterbetrieb mitzuerleben und so sehr darin verstrickt zu sein. Ich wurde noch nie so bekräftigt meinen Weg zu gehen wie hier.

Vielen Dank fürs Lesen! Ich hoffe, ich konnte Sie bis zum Schluss mit meiner Arbeit unterhalten. Vielleicht haben Sie sogar etwas neues dazu gelernt?

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