Semiramis ist eine begabte, intelligente Frau die Stufe für Stufe die Karriereleiter erklimmt - bis es plötzlich für sie nicht mehr weiter geht. Wieso ist ihr völlig unklar, hat sie doch alle geforderten Fähigkeiten und Qualifikationen. Nach und nach wird Semiramis bewusst, dass ihr Frausein für ihr Umfeld zum Problem geworden ist. Doch was bedeutet das für ihre Zukunft?

Die antike Geschichte um die Königin Semiramis wird hier zum gesellschaftlichen Spiegel, getragen von facettenreicher Barockmusik.

Komponisten: Porpora, Händel, Vinci, Monteverdi u.a.

Gefördert wird diese Produktion von der Kulturbehörde Hamburg.

Die Premiere Semiramis findet 2 Tage nach dem Equal-Pay-Day statt.

Der Equal Pay Day (EPD), ist der internationale Aktionstag für Entgeltgleichheit zwischen Frauen und Männern, macht auf den bestehenden Gender Pay Gap aufmerksam und wird in zahlreichen Ländern an unterschiedlichen Tagen begangen. In Deutschland markiert der Aktionstag symbolisch die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern. Die durchschnittliche unbereinigte Entgeltdifferenz von 21 % entspricht einem Zeitraum von 77 Kalendertagen im Jahr. Üblicherweise kennzeichnet er in den verschiedenen Ländern rechnerisch den Tag, bis zu dem oder ab dem Frauen unentgeltlich arbeiten würden, wenn sie ab oder bis zu dem Tag den gleichen Lohn wie Männer bekämen. (Quelle Wikipedia)

Daher haben wir uns entschieden, für diese Opernproduktion auch beim Eintrittspreis ein politisches Zeichen zu setzen. Wir wollen auf diese Ungleichbehandlung von Frauen hinweisen und möchten diese zumindest bei einem Besuch dieses Stückes ausgleichen.

Daher bezahlen Frauen in allen Preiskategorien 20% weniger als Männer, was dem Gender-Pay-Gap in etwa entspricht.

Die Männer zahlen den gleichen Preis wie sonst auch im Opernloft und sind uns natürlich jederzeit herzlich willkommen!

Equal Pay Day Webseite besuchen

Das Team Semiramis

    • Freja Sandkamm - Sopran

    • Amy Brinkmann-Davies - Musikalische Leitung

    • Timotheus Maas - Bass-Bariton

    • Lukas Anton - Bariton

    • Claudia Weinhart - Ausstattung

    • Pauline Gonthier - Mezzosopran

    • Inken Rahardt - Regie

Ein bisschen Hintergrund:

Marcel Fratzscher schrieb in der ZEIT: “In mancher Hinsicht hat sich in puncto Gleichstellung innerhalb der Familien am wenigsten getan. Denn bei der Dimension Zeit – wer betreut die Kinder und andere Familienmitglieder, wer erledigt die Hausarbeit – ist die Gleichstellung nicht nur gering, sie ist seit 2005 sogar rückläufig!”

Ungleichbehandlung von Frauen und Männern - bewusst oder unbewusst - geschieht in ganz vielen Bereichen unseres Lebens - in privaten und beruflichen. Sie greift auch hinein in (Liebes-)Beziehungen zwischen Frauen und Männern sowie in die Erziehung von Mädchen und Jungen. Vieles fällt uns gar nicht auf, weil es seit Generationen so selbstverständlich daherkommt. So legen etwa weit mehr Frauen als Männer bei der Heirat ihren Geburtsnamen ab. Ihm könne man das nicht zumuten, denken selbst moderne und selbstbewusste Frauen. Es mag ein Klischee sein, ist aber dennoch Realität: Trifft sich eine Frau mit vielen Männern, ist sie eine “Schlampe”, hat ein Mann viele Geliebte, ist er ein “toller Hecht”. Oder: Ergreift ein Mann während eines Meetings immer wieder das Wort, so ist er vermutlich ein “Alphatier”. Eine Frau dagegen gilt als “Nervensäge”. Es geht nicht darum, diese Klischees auf die Bühne zu bringen. Sie stehen hier nur als einfache Bilder zum Verständnis. Wichtig ist uns aber, verschiedene Lebensbereiche unserer Titelheldin auch auf der Spielfläche, mal komisch mal nachdenklich sichtbar zu machen.

Semiramis ist eine altorientalische Heldin. Ihren Namen prägten alt-griechische Historiker. Sie war eine Königin, hat Kriege geführt, Städte und Straßen gebaut. Nach Herodot hat sie sogar ganz Asien regiert. Weitere Quellen verweisen auf eine assyrische Königin Sammuramat (810-782 v. Chr.), die tatsächlich gelebt hat. Ob sie Vorbild für die fiktive Figur ist, ist nicht belegt. Semiramis wurde in zahlreichen Werken verewigt - in Romanen, Dramen und in der Oper. Allein das Libretto von Pietro Metastasio inspirierte rund 40 Komponisten zum Komponieren einer Oper.

“Semiramide riconosciuta” (“Die wiedererkannte Semiramis”) heißt das Libretto von Metastasio. 1729 wurde es erstmals von Leonardo Vinci (1690-1730) vertont. Auch für uns ist es der Ausgangspunkt einer Oper, die wir unter dem Titel “Semiramis” herausbringen.

Es gibt zwar viele Frauenfiguren in der Oper, aber kaum weibliche Heldengeschichten. Wir finden es an der Zeit, dieser Heldin eine Stimme zu geben und sie in unsere Gegenwart zu holen. Allein die Mythen, die sich um Semiramis ranken, sind ein Ausdruck der Vorstellungskraft ihrer jeweiligen Epoche. Mal ist Semiramis schön und durchtrieben, denn nur so konnte eine Frau an die Macht kommen. Mal ist sie lediglich Regentin “neben” ihrem Ehemann, ein anderes Mal “anstatt” ihres Sohnes. Von Ränken und Intrigen möchten wir unsere Heldin befreien. In den ältesten Aufzeichnungen wird sie als besonders intelligent beschrieben. Auf diese herausragende Eigenschaft wollen wir uns konzentrieren, denn die brachte sie an die Macht. Doch wird das auch heute funktionieren? Bringt Intelligenz eine Frau an die Macht? Dieser Frage werden wir in unserer Version der Oper nachgehen.

Es gibt ein paar Frauen in Chefetagen und Vorständen, es gibt auch einzelne Pilotinnen und Dirigentinnen - und, ja, Deutschland hat “sogar” eine Kanzlerin. Doch die Anzahl der Frauen in Führungspositionen ist nach wie vor gering. Ende 2014 lag der Anteil der weiblichen Vorstände in den Top-200-Unternehmen in Deutschland bei gut 5 Prozent. Etwas besser sieht es in den Aufsichtsräten aus. Hier betrug der Frauenanteil bei den selben Unternehmen im selben Zeitraum gut 18 Prozent (Quelle: Elke Holst/Anja Kirsch, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, 2015). Das widerspricht dem sogar etwas höheren Anteil der Frauen in der Gesamtbevölkerung: 2014 waren rund 41 Millionen der Einwohner in Deutschland weiblich, rund 39 Millionen männlich (Quelle: statista.de).

Quotenregelungen für Führungskräfte, längere Kinderbetreuung für berufstätige Mütter, Elternteilzeit für Väter - es gibt einige politische Hebel, die hier ansetzen sollen. Gegen den “Gender-Pay-Gap”, die “Einkommenslücke” zwischen Frauen und Männern in gleichen Positionen, soll ein neues Transparenzgesetz helfen, das die Löhne und Gehälter von Angestellten offenlegt. Wir werden erst in einigen Jahren sehen, ob diese Hebel auch wirklich nachhaltig greifen.

Was für unsere Inszenierung von “Semiramis” viel wichtiger ist: Wie sieht es mit der gesellschaftlichen Akzeptanz für das Thema “Gleichberechtigung” aus? “Wir machen den Genderwahn nicht mit”, schallte es kürzlich aus einem Herrenclub, der eine Bürgermeisterin nicht als Gastrednerin einladen wollte. “Arme Bürger!” kommentierte just die Neue Zürcher Zeitung, weil die Stadt Hannover sich zu gendergerechter Verwaltungssprache verpflichtet hat.

Wir danken der Kulturbehörde Hamburg für die Projektförderung, ohne die diese Produktion nicht möglich gewesen wäre.

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